Predigt beim Schulanfangsgottesdienst der Landwirtschaftsschule: "Fürchte dich nicht!"

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Liebe Studierende, liebe Lehrkräfte,

die Welt wird irgendwie immer turbulenter, hat man den Eindruck.

Kriege in der Ukraine und am Persischen Golf, die direkte Auswirkungen auf uns haben.

Dieselpreise wie nie zuvor, das wird viele von Ihnen sehr belasten, nehme ich an. Und die Düngerpreise kommen ja noch dazu. Und der Klimawandel, der Gewohntes und Erlerntes auf den Kopf stellt. Und die Politik, ach, lassen wir das besser.

In so einer turbulenten Zeit diese Ausbildung anzufangen und in die Landwirtschaft einzusteigen: Da gehört, glaube ich, einiges an Mut dazu.

Aber eben nicht nur Mut, sondern auch die Fachkenntnisse, die Sie hier lernen werden. Manches bringen Sie schon mit, aber sicher werden Sie hier neue Dinge lernen, neue Möglichkeiten entdecken. Neue Wege gehen. Trotz all der Schwierigkeiten, vor denen Sie stehen.

Und natürlich: In einer Schule ist man nie allein.

Sie werden Freundschaften schließen – oder schon geschlossen haben. Freundschaften, die weitergehen werden, auch wenn die Ausbildung hier zu Ende ist. Sie werden, hoffe ich jedenfalls, spüren: Ich bin nicht allein mit dem ganzen Zeug hier.

Meistens habe ich für diese Gottesdienste eine Bibelstelle rausgesucht, die irgendwie mit der Landwirtschaft zu tun hat. Aber heute hatte ich das Gefühl, braucht’s was anderes in dieser unübersichtlichen Zeit.

Wir gehen 2500 Jahre zurück, ein bisschen mehr.

Das Volk Israel war vom großen Nachbarn Babylon völlig vernichtet worden. Der König war tot, die Oberschicht in die ferne Hauptstadt Babel verschleppt. Konnte es da überhaupt eine Zukunft geben? „Unübersichtlich“ ist da gar kein Ausdruck. „Aussichtslos“ wäre vielleicht treffender.

Und dann kommt der Prophet Jesaja. Und er sagt einen Satz, der vielen vielleicht bekannt ist:

Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen.

Jesaja 43, 1-2

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Fürchte dich nicht – ein Satz, der so oft in der Bibel steht wie kein anderer. Angeblich 365 mal, einmal für jeden Tag im Jahr, aber ich glaube, das stimmt nicht. Auf jeden Fall: Sehr oft. Fürchte dich nicht.

Und das finde ich einen ausgesprochen starken Satz.

Wenn Sie in einer Prüfung sitzen und Panik kriegen, dann hilft die Panik gar nichts. Dann hilft: Fürchte dich nicht. Schnaufe durch. Erinnere dich, du hast das gelernt. (Oder auch nicht gelernt, aber dann fällt dir trotzdem irgendwas ein).

Wenn Sie später voller Sorgen abwägen, welche Investition Sie tätigen sollen: Fürchte dich nicht. Das heißt dann nicht: „Mach einfach, wird schon werden“. Sondern vielleicht eher: „Du hast jetzt alles abgewogen, Pro und Contra und noch mehr. Jetzt entscheide dich und sei klar in deiner Entscheidung.“

Wenn Ihre Ernte verdorben wird durch Starkregen oder Hitze oder Überschwemmung und Sie nicht wissen, wie’s weitergehen soll: Fürchte dich nicht. Das heißt nicht, dass es nicht schlimm ist, was geschehen ist, und dass morgen alles wieder gut ist. Aber irgendwie wird’s weitergehen.

Wenn Sie vielleicht eine Familie gründen wollen und sich Sorgen machen, wie das werden kann: Fürchte dich nicht. Nicht alles wird immer gut sein, aber eben doch eine Menge.

Vielleicht kennen Sie noch Startrek, die nächste Generation, mit Captain Picard, Data und William Riker. In einer Folge dieser Serie sagt William Riker, als er einem übermächtigen Wesen gegenübersteht, einen ganz starken Satz:

„Furcht ist der Name des Gegners, des einzigen Gegners.“

Und dann stellt sich raus, dass man mit diesem übermächtigen fremden Wesen eigentlich ganz gut reden kann, nur die Furcht stand dem Gespräch im Weg.

Und ja, oft ist es eher die Furcht, die uns etwas Dummes tun lässt. Wir haben Angst vor Menschen, die anders sind als wir. Wir haben Angst vor Veränderungen, die Gewohntes in Frage stellen. Wir haben Angst vor Entscheidungen, vor schweren Situationen, vor allem möglichen. Angst ist sogar eine ganz wichtige Funktion, die uns vor Übermut bewahrt, aber sie darf halt nicht alles überlagern.

Fürchte dich nicht. Jesaja verschweigt nicht, dass es nach wie vor schwere Momente im Leben gibt. Drum habe ich den zweiten Vers auch mit dazu genommen:

Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen. 

Gott verspricht kein sorgenfreies Leben. Aber er sagt: Du brauchst keine Furcht zu haben. Furcht vernebelt nur den Geist. Nicht alles wird gut werden, aber meine Geschichte mit dir: Die ist noch nicht zu Ende.

Also, auf geht’s, in dieses Semester. Fürchtet euch nicht. Denn Gott ist dabei.

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen.

Amen.