Gott ist die Tasse Kaffee im Leben

Mittagsandacht im Kirchengemeindamt Schweinfurt

In einer Woche ist schon Gründonnerstag. Die Zeit rast nur so dahin. Bald ist die Fastenzeit wieder rum.

Ich weiß nicht, ob Sie in diesem Jahr etwas fasten. Süßigkeiten, Chips, Fernsehen, unnötige Autofahrten, es gibt so vieles, wovon man sich mal für eine Weile frei machen kann. Die Aktion „Sieben Wochen ohne“ lädt dieses Jahr ein zu „Sieben Wochen ohne Härte“. Mehr Gefühl. Mehr Verständnis für andere. Eine schöne Idee, finde ich.

Vor vielen Jahren hab ich mal spontan am Aschermittwoch beschlossen: Ich verzichte auf Kaffee.

Uff.

Das war ... nun ja. Irgendwann dann doch erstaunlich einfach. Ich habe in der Tat mehr auf meinen Körper geachtet. Mir mehr Pausen gegönnt und sie nicht einfach mit Koffein übersprungen. Trotzdem: Das würde mir schon echt schwerfallen, das zu wiederholen.

Nicht alle hier trinken Kaffee, ich sehe ganz viele, die sich Tee machen in der Teeküche. Oder andere Getränke.

Aber für mich ist das ein Getränk, das zum Morgen dazugehört.

Aufstehen und in den Tag gehen ohne Kaffee? Ja, geht irgendwie, aber ist schwer.

Und dann irgendwann am Vormittag, wenn ich beinahe am Bildschirm einschlafe, dann ist das nicht nur ein Wachmacher. Sondern auch eine Möglichkeit, mal kurz aufzustehen, rauszugehen. Vielleicht die eine oder andere auf dem Gang zu treffen, kurz zu schwatzen. Und dann geht’s wieder weiter. Wacher. Energievoller. Vielleicht sogar mit neuen Ideen.

Die Tasse Kaffee – oder Tee – hilft. Gibt Energie, auch an so einem trüben Regentag wie heute zwischendurch.

Manchmal im Leben, da reicht aber eine Tasse Kaffee nicht. Wenn ich wirklich am Boden bin. Ein Unfall. Eine Krankheit. Probleme in der Familie. Eine schlechte Nachricht.

Da reicht es nicht, kurz aufzustehen und sich nen Kaffee zu holen.

In einer Woche werden wir uns daran erinnern, wie es den Jüngern Jesu ging. Damals, als Jesus gekreuzigt wurde.

Für sie war auf den ersten Blick ihr ganzes Leben vorbei. Auf diesen Jesus hatten sie vertraut. Und jetzt war er hier am Kreuz gestorben, als Verbrecher hingerichtet in Schande.

Manchmal versuche ich, mir vorzustellen, wie es diesen Menschen ging, die ihr ganzes bisheriges Leben aufgegeben hatten, um Jesus nachzufolgen. Die wirklich darauf vertraut hatten: Dieser Jesus, das ist der Retter der Welt.

Und jetzt: Tot.

Alles zu Ende.

Keine Perspektive mehr.

Da hilft auch kein Kaffee, den es damals eh noch nicht gab.

Wir heute springen dann gerne gleich weiter zu Ostern, wir wissen ja, wie die Geschichte weitergeht.

Die Jünger hätten’s vielleicht auch wissen können. Andeutungen hatte Jesus genügend gemacht.

Wir wissen, nach Karfreitag kommt Ostern. Die Jünger damals wussten nichts.

Ja, manchmal müssen wir durch so eine schwere Zeit hindurch. Manchmal ist es mehr als ein bisschen Müdigkeit am Schreibtisch, die mit einem Kaffee oder Tee bekämpft werden kann.

Manchmal sind’s drei Tage, wie bis zur Auferstehung Jesu.

Manchmal sind’s Wochen, Monate oder sogar Jahre, die wir durch eine schwere Zeit hindurch müssen.

Im 1. Petrusbrief steht ziemlich am Ende ein Satz, den ich sehr liebe. Der ist genauso kurzfristig denkbar wie die Tasse Kaffee, aber ist auch auf große Lebenskrisen anwendbar:

Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen.

1. Petrus 5, 4

Manchmal leiden wir eine „kleine Zeit“. Doch Gott, der will für uns sein wie die Tasse Kaffee oder Tee. Gott will uns aufrichten. Gott will uns stärken. Gott will uns kräftigen. Und dann kommt dieses interessante Wort hier: „Gründen“. In der Basisbibel steht da: „Er wird euch Halt geben“. Und das ist damit gemeint:

Gott gibt euch einen festen Grund unter den Füßen.

Gott lässt euch sicher stehen.

Wenn du das Gefühl hast, den Boden unter den Füßen zu verlieren: Gott lässt dich sicher stehen.

Ich finde es stark, dass der Petrusbrief hier nicht einfach drüber weg geht, dass nicht immer alles super ist. „Eine kurze Zeit müsst ihr leiden“. Aber Gott – der will eure Tasse Kaffee fürs Leben sein.

Gott will euch aufrichten, stärken, kräftigen, gründen.

Amen.